ÜBER DIE GRENZE

Dieses Stück des Wahlpflichtkurses „Darstellen und Gestalten“ der 10. Klassen sollte noch in der Woche vor Pfingsten zur Aufführung gelangen und auch Teil der Eröffnungsfeier des Kultursommers am Kanal sein. Mit dem letzten Tag vor der Schulschließung stand auch die letzte Szene und sogar die Applausordnung zu einer Musik, deren Wahl sich als ziemlich schwierig herausstellte, war einstudiert. Es musste nur noch gefeilt und geschliffen werden. … .

Dabei gestaltete sich der Start erst mal ziemlich zäh und schwierig. Die Meinung der Schüler, ein Stück zur innerdeutschen Grenze bzw. zum Grenzbahnhof Büchen zu spielen, war einhellig: „Langweilig!“ – „Oh, Nein! Nicht schon wieder dieses Thema!“  – „Die Kursschüler vor uns, die hatten es gut bei Ihnen. Die durften MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER spielen!“ – „Wir sollen jetzt Stoff des Geschichtsunterrichts spielen???“ – „Hauptsache, es wird lustig! Aber wie soll das bei diesem Thema funktionieren???“ Die Schüler waren sehr skeptisch. Es dauerte, bis das Eis brach.

Nach und nach erfuhren die Schüler, dass die deutsch-deutsche Geschichte gar nicht so trocken ist. Grenzkontrollen mit allerlei peinlichen Situationen, marschierende Grenztruppen, revoltierende bzw. pubertierende Jugendliche im Westen wie im Osten, Udo Lindenberg auf dem Weg nach Ost-Berlin, Familie Weißmanns mit regelmäßigem Westbesuch vom Onkel mit dessen geschmuggelten Geschenken, Schabowskis Zettel. Dabei fuhr manch Schüler schauspielerisch zur Höchstform auf – so die drei Grenzsoldaten, Matti, Mika und Oke, die wie besessen Gepäck und Abteil der Reisenden kontrollierten. Sophie in der Rolle als Friedegart Belusa, zum einen schroff gegenüber den Jugendlichen und dann wiederum freundlich gegenüber der Presse, überzeugte auch als Doris Weißmanns. Sie stand in dem Konflikt, die Gelegenheit zur Flucht zu nutzen (Sie hat den Reisepass einer Westbürgerin gefunden.), und dem der emotionalen Verbundenheit zu ihrem Ehemann und ihrer Tochter, Peggy. Anna spielte sehr treffend die Tochter, die nie um eine freche Bemerkung verlegen ist. Ihr Vater oder „Held der Arbeit“, Matti in seiner zweiten Rolle, hat sich so sehr mit seiner Figur identifizieren können, dass er kaum die Textvorlage brauchte. Und so entstand beim Spielen immer wieder etwas Neues und Überraschendes. Auf der Suche nach dem besten Platz in der Pressekonferenz verblüffte Johanna als Bild-Journalist, Peter Brinkmann, aufgrund der grotesken Übertriebenheit. Und so lässt sich die Aufzählung noch lange fortsetzen, denn alle Kursschüler haben ihr Bestes gegeben.

Schade, dass sich das Publikum nicht davon überzeugen konnte!                                      

Schade, dass wir keine Gelegenheit hatten, das Publikum zum Schmunzeln zu bringen!        

Schade, dass es noch nicht mal Probenfotos gibt. Deshalb müssen jetzt ein paar Requisiten herhalten.

So bleibt noch zu ergänzen, dass wir Udo Lindenberg per Brief zu unserer Aufführung eingeladen haben, die übrigens genau in die Lücke zwischen seinem Konzert in Schwerin und dem in Berlin gepasst hätte :). Von seinem I-Phone aus hat er uns u.a. geantwortet, dass er zwischen seinen Konzerten „leider nix anneres“ machen könne. Er wünsche uns aber „Toi, Toi, Tolstoi! Euer Udo“. Allein das war schon ein besonderes Erlebnis – genauso wie das, dass der Intendant vom Kultursommer am Kanal, Frank Düwel, im Januar in unseren Unterricht zu Besuch kam, um die erste Hälfte unseres Stücks zu sehen. Er war davon so angetan, dass es unbedingt ein Teil der Eröffnungsfeier werden sollte. Deshalb ist nun auch dort auf der Internetseite des Festivals www.kultursommer-am-kanal.de am 7. Juni etwas von uns zu finden.

Dieser Beitrag wurde unter Theater veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.